Statement zum Verbraucherdialog RFID, 25.08.2008, Mainz
Marc Houben war Themenbeauftragter RFID des VDEB Verband IT-Mittelstand e.V.

Das nebenstehende Statement wurde für den Verbraucherdialog RFID des Landes Rheinland-Pfalz verfasst. Der Verbraucherdialog RFID wird vom Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz in Rheinland-Pfalz geleitet und fand erstmalig am 25. August 2008 in Mainz statt.

 
Welche derzeitigen und zukünftigen Einsatzgebiete von RFID sind für Endkunden relevant?

RFID ist eine Querschnittstechnologie. Dies bedeutet, dass RFID in sehr unterschiedlichen Einsatzgebieten sinnvoll verwendet werden kann. Die Grenzen von RFID-Anwendungen sind in erster Linie durch die Grenzen der Physik, aber auch der Wirtschaftlichkeit und der gesetzlichen Regelungen bestimmt. Eine klare Begrenzung möglicher RFID-Anwendungen für den Alltag lässt sich nicht angeben. Dies erklärt mithin die hohen Erwartungen an RFID auf der einen Seite, eben so wie das Gefühl einer möglichen Bedrohung durch RFID auf der anderen Seite.

RFID ist für Endkunden derzeit und auch mittelfristig eher von indirekter Bedeutung, da sie im täglichen Leben nur in Einzelfällen mit RFID direkt in Berührung kommen. Derzeit hält RFID vor allem in den Bereichen der Produktion und der anschließenden logistischen Organisation und des Transports Einzug.

Anwendungen, die auf dem Einsatz von RFID beruhen, müssen in aller Regel einen Mehrwert für den Endkunden besitzen, um akzeptiert zu werden. Mehrwerte können dabei in der Vereinfachung des Lebens (Zutrittssysteme, Identifikation, Bedienkomfort), in erhöhter Sicherheit (Ticketing, Fälschungsschutz, Herkunftsnachweis) und in einem zusätzlichen Informations- und Serviceangebot (Ausleih- und Bezahlsysteme, Produktinformationen, Rückverfolgbarkeit) bestehen.



Wie sind die Chancen von RFID konkret zu bewerten und wie können sie kommuniziert werden?

Um die Chancen durch RFID richtig einschätzen zu können, muss RFID als ein Baustein in unserer technologischen Fortentwicklung verstanden werden, die mit der Erfindung der elektronischen Datenverarbeitung begonnen und sich bis zum Wissens- und Kommunikationsnetz des heutigen Internets weiterentwickelt hat.

Zwischen der realen und der digitalen Welt besteht seit Anbeginn eine Lücke, die sich durch Technologien wie etwa RFID weiter schließt. So lassen sich reales Ereignis und elektronisches Datum weit enger verknüpfen als bisher möglich. Gleichzeitig kann aber auch die digitale Welt verstärkt auf die reale rückwirken, denn nur so können auch die zuvor beschriebenen neuen Mehrwerte entstehen.

Die Chancen, die daraus entstehen, sind vielleicht so groß wie die der Entdeckung einer neuen Welt. Entsprechend herausfordernd sind die weiteren Entwicklungen und die Veränderungen die RFID für die Gesellschaft mit sich bringen wird. Eines lässt sich aber schon jetzt absehen, dass RFID-unterstützte Prozesse in den Bereichen der Produktion und der Logistik eine zentrale Rolle spielen werden, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands geht. RFID kann somit dazu beitragen, Arbeitsplätze zu sichern und vor allem neue Dienstleistungen zu entwickeln. Die Chancen bestehen zunächst darin, bestehende Prozesse zu harmonisieren, aber auch zu rationalisieren.



Welche Anforderungen sind an die Transparenz zu stellen und wie können diese umgesetzt werden?

Mit RFID kann und soll man transparent umgehen. Gegen eine entsprechende Kennzeichnung von Produkten, die den Endkunden auf die Verwendung von RFID hinweisen, ist nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil sollte dies die RFID-Anbieter dazu anregen, für ihre Kunden verstärkt Mehrwerte zu generieren. Deren Nutzung kann wiederum nur mit einer Aufklärung des Kunden einhergehen, so dass sich der Kreis schließt.

Wünschenswert wäre es, die Endkunden möglichst einheitlich zu informieren. Die zu wählende Form sollten die Interessensgremien innerhalb der einzelnen Branchen festlegen, da eine Nutzung von RFID und damit die geeignete Art der Aufklärung sehr unterschiedlich ausfallen kann.



Welche Herausforderungen stellt RFID an den Datenschutz?

Derzeit bestehen keine größeren Herausforderungen als es die Entstehung von personenbezogenen oder personenbeziehbaren Daten in anderen Bereichen des täglichen Lebens, etwa bei der Verwendung einer Kredit- oder Bonuskarte oder des Handys, auch tun. Daher sieht auch die Bundesregierung zum jetzigen Zeitpunkt keine Veranlassung zu einer eigenen datenschutzrechtlichen Regelung allein für RFID-Anwendungen.

Das mögliche Erstellen von Verhaltens-, Nutzungs- und Bewegungsprofilen von Endkunden mit Hilfe von RFID ist zurzeit theoretischer Natur. Schon jetzt würde es aber einen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstellen. Sofern trotzdem die Notwendigkeit gesehen wird, bestehende Regelungen aufgrund eines breiteren Einsatzes von RFID anpassen zu müssen, hat dies im einvernehmlichen Dialog zwischen Anbietern und Anwendern zu geschehen.



Wie sollten Verbraucherinnen und Verbraucher über die RFID-Technologie informiert werden?

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen möglichst umfassend informiert werden und am besten anhand von tatsächlichen Anwendungen, denn nur über den Gebrauch kann man eine Technologie in ihrer Reichweite und ihren Möglichkeiten verstehen. Dies ist in erster Linie Aufgabe der RFID-Anbieter und -Hersteller. Gleichzeitig muss es von neutraler Stelle Informationsangebote geben, die einen Einblick in die Technologie und gleichzeitig Raum für Diskussionen bieten.

Beispielsweise beantragt der VDEB Verband IT-Mittelstand e.V. aktuell ein Forschungsprojekt für die Umsetzung einer speziellen RFID-Wissensplattform (Learn about RFID), die RFID-Nutzer und -Anbieter gleichermaßen im Fokus hat.



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