Wissensplattform "Learn about RFID":
  Win-Win-Situation für RFID-Anbieter und -Anwender
Marc Houben war Themenbeauftragter RFID des VDEB Verband IT-Mittelstand e.V. und ehemaliger Vorstand der RFID SI AG

Thomas Leege ist Geschäftsführer der GERLEE Unternehmensberatung und Mitinitiator von "Learn about RFID" und dem EU-Projekt RELOAD
      www.project-reload.com

Der gemeinsam erstellte Fachartikel wurde im ISIS AutoID/RFID Special Edition 3-2008 erstmals veröffentlicht.

(c) 2008 - Alle Rechte liegen bei den Autoren.



Der Fachartikel ist auch als pdf-Dokument verfügbar.

 
Mit RFID in die Zukunft

RFID ist eine der zentralen Schlüsseltechnologien für den wirtschaftlichen Erfolg in Deutschland, denn RFID modernisiert bestehende Herstellungs- und Geschäftsprozesse und sorgt dafür, dass moderne Verfahrensweisen auch in der Praxis Einzug halten. Der Einsatz der RFID-Technologie ermöglicht eine nachhaltige Verbesserung von Unternehmensprozessen und damit die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Somit entsteht aus der konsequenten Anwendung von RFID eine Vielzahl ökonomischer und gesellschaftlicher Vorteile.


Sensibilisierung und Information der potentiellen Anwender

Um die Vorteile erzielen zu können, müssen die Anwender, insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), über geeignete Instrumente sensibilisiert und über bestehende Lösungen informiert werden. RFID ist aber trotz der Aufmerksamkeit, die es seitens der Politik und der Medien erhält, immer noch ein Nischenthema, – zumindest was die Umsetzung von konkreten Anwendungen anbelangt.

Das derzeit im Internet vorhandene Angebot zum Thema RFID ist überschaubar, gerade auch was die spezifischeren RFID-Plattformen betrifft. Die dort angebotenen Informationen sind in aller Regel statisch, nicht interaktiv und erst recht nicht didaktisch aufbereitet, so dass der Inhalt einseitig vom Experten zum "Laien" kommuniziert wird. Die Vorteile einer Interaktion mit den Nutzern im Sinne eines "Open Innovation" Ansatzes wird nicht genutzt. Wirkliches Know-how zum Thema RFID lässt sich von Interessenten somit nur bedingt online erwerben. Vielmehr ist er auf überwiegend kostenpflichtige Seminare oder Fachveranstaltungen angewiesen.

Bisher setzen überwiegend Großunternehmen RFID ein und profitieren davon. Die mittelständischen RFID-Anbieter verfügen in der Regel nicht über ein geeignetes Marketing, das einen breiten Informationsbedarf abdecken könnte und auch ein auf verschiedene Branchen passendes Informationsangebot vorhält. Aus diesem Grund richten sich die Vertriebsaktivitäten der Anbieter oft nur auf große Unternehmen, so dass den mittelständischen Anwendern weniger Aufmerksamkeit geschenkt werden kann, was zu einer weiteren Benachteiligung führt.



Wissensplattform "Learn about RFID" – die Partner

Um für eine schnellere Verbreitung der RFID-Technologie zu sorgen und so KMU-Unternehmen den Zugang zu weiterer Rationalisierung und Modernisierung zu ermöglichen, haben sich fünf Partner zusammengefunden und im Rahmen des Förderwettbewerbs WissensWirtschaft.NRW einen gemeinsamen Projektantrag gestellt, der dem Mangel an zielgerichteter Information und geeignetem Wissen zum Themenfeld RFID begegnen soll. Mit dem ZLW/IMA der RWTH Aachen, dem RFID-Kompetenzzentrum an der Hochschule Niederrhein, der GERLEE Unternehmensberatung, der OEHL.NET GmbH, der RFID SI AG und dem VDEB Verband IT-Mittelstand e.V. wurde ein pragmatischer Mix zwischen Praktikern, Wissenschaftlern und Interessenvertretern gefunden, der ein wissenschaftlich fundiertes, aber praxisorientiertes Endprodukt in Form einer Wissensplattform "Learn about RFID" gewährleisten soll.


Wissensplattform "Learn about RFID" – das Projekt

Das Ziel des Projekts ist die Entwicklung von wissensintensiven Dienstleistungen zur RFID-Technologie, die über und mittels dieser Wissensplattform verbreitet werden. Hierzu sollen Standards in Bezug auf Didaktik, Technologie und Prozesse entwickelt werden, um den Wissensfluss optimal und effizient gestalten zu können.

Sowohl den RFID-Anwendern als auch den RFID-Anbietern sollen passende Wissenszugänge und -instrumente zur Verfügung gestellt werden. Hierzu zählen etwa ein Lexikon, visuelle Zugänge, semantische Netze, die Möglichkeiten für ein personalisiertes Lernen, Foren und Blogs u.ä. Die Plattform soll nicht zuletzt auch als elektronische Marketingplattform für RFID-Anbieter (insbesondere KMU) dienen. Dabei sind unterschiedliche Arten von Dienstleistungen zu unterscheiden: Vermittlung von RFID Wissen, Unterstützung der Einführung von RFID bei Anwendern, Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Anwendern von RFID, Entwicklung neuer Dienstleistungsangebote basierend auf RFID.

Durch die Wissensplattform werden RFID-Anbieter und RFID-Anwender direkt miteinander verbunden. Dabei müssen beide Interessensseiten gleichermaßen befriedigt werden, um erfolgreich zu sein.



Nutzen für den RFID-Anbieter

Eine Wissensplattform hat für den RFID-Anbieter den Vorteil, sein eigenes Wissen als Marketing-Instrument einzusetzen. Gleichzeitig profitiert er vom Zusammenspiel mehrerer Anbieter, die ihr Wissen ebenfalls in die gemeinsame Plattform einbringen und die Wissensbasis verbreitern. Für den einzelnen Anbieter ergibt sich hieraus die Chance für einen größeren Markterfolg. Eine solche Plattform kann aber auch zur Schulung der eigenen Vertriebsmitarbeiter und so zu einer besseren und effizienteren Kommunikation mit den potenziellen Kunden selbst genutzt werden. Auch lassen sich hierüber Produktinformationen an einer Stelle systematisch und zentral pflegen, ohne dass ein Mehraufwand betrieben werden muss.


Nutzen für den RFID-Anwender

Auch der RFID-Anwender profitiert natürlich von der Wissensplattform. Zunächst findet er gebündelt Informationen zu RFID, die ihm über verschiedene Zugriffsmöglichkeiten, Lerneinheiten oder semantische Suchen zugänglich gemacht werden. Er erhält so einen breiten Überblick von den Grundlagen der Technologie bis hin zu komplexen Lösungsvorschlägen und kann an einem beliebigen Punkt mit seiner Informationsrecherche einsteigen. Schließlich kann er seine persönliche Auswahl von verfügbaren RFID-Technologien und Anwendungslösungen treffen. Aufgrund der Vielfältigkeit, in der RFID in unterschiedlichsten Branchen und Anwendungsfeldern genutzt werden kann, ermöglicht "Learn about RFID", dass der (potentielle) RFID-Anwender über Analogiebildungen besser die für ihn passende Lösung findet.


Volkswirtschaftlicher Nutzen

Der volkswirtschaftliche Nutzen einer solchen Wissensplattform ist nicht zu unterschätzen. Innovative Technologien wie RFID werden mit dem Einsatz unterschiedlicher Instrumente, die in einer Plattform zusammengeführt sind, schneller und grundsätzlicher verstanden. Die Marktchancen werden besser genutzt und das wettbewerbskritische Wissen gelangt direkter zu den Unternehmen. Der Ansatz ist also nicht nur für RFID geeignet, sondern ein Weg für die immer erklärungsbedürftigeren Produkte und vielfältigeren Dienstleistungen unserer Zeit. Das grundsätzliche Modell und die im Rahmen des Projektes entwickelten Technologien und Dienstleistungen können demnach auch auf andere Branchen und Technologien übertragen werden.


Unternehmensübergreifendes Denken: Lernen aus anderen Branchen

In anderen Branchen ist diese Art der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit bereits auf große Resonanz gestoßen. So etwa im Bereich des Handels und der Baumärkte (siehe etwa das EU-geförderte Projekt RELOAD/www.project-reload.com). Gerade für den Investitionsgütermarkt ist dieser grundsätzliche Denkansatz aufgrund der besonderen Komplexität und Erklärungsbedürftigkeit der Produkte und Dienstleistungen besonders geeignet.


Fazit

Der Ansatz der Wissensplattform "Learn about RFID“ zur Einführung von RFID unter Nutzung interaktiver Lernsoftware, Web- und Web 2.0-Technologien ist neu. Bisherige Informationssysteme zu RFID lassen das Wissen größtenteils eindimensional vom Experten zum Anwender fließen und bieten keine derartig strukturierte und offene Vorgehensweise.

"Learn about RFID" verbindet RFID-Anbieter und Anwender direkt miteinander und ermöglicht es gerade mittelständigen Unternehmen, auch von RFID und den speziellen Branchen-Lösungen zu profitieren.

"Learn about RFID" zeigt anhand der RFID-Branche, wie durch den systematischen und branchenweiten Einsatz von Wissen in Form von Microtrainings, semantischem Wissensmodell, Wissen als Marketinginstrument, EduCommerce u.ä. eine für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen notwendige innovative Technologie schneller und fundierter zur Anwendung gebracht werden kann.



Das Partnernetzwerk im Detail

Die einzelnen Partner der Antragsstellung zu "Learn about RFID" zeichnen sich durch ihre verschiedenen, sich gegenseitig ergänzenden Kompetenzen aus:

Das Zentrum für Lern- und Wissensmanagement und der Lehrstuhl Informationsmanagement im Maschinenbau (ZLW/IMA) der RWTH Aachen verfügen über langjährige Erfahrungen in der Koordination von Großprojekten, in der Geschäftsmodellentwicklung, in der Erstellung von Software-Lösungen sowie im Wissensmanagement. Die GERLEE Unternehmensberatung beschäftigt sich mit der Entwicklung und Umsetzung von Geschäftsmodellen und Dienstleistungen in komplexen Wertschöpfungsnetzwerken. Die OEHL.NET GmbH entwickelt firmenspezifische Lösungen im Bereich von Wissensplattformen und multimedialen Systemen. Das RFID-Kompetenzzentrum an der Hochschule Niederrhein besitzt große Erfahrung im Ausbildungs- und Schulungsbereich sowie branchenübergreifendes Prozess-Know-how und Beratungskompetenz. Über den VDEB Verband IT-Mittelstand e.V. bestehen sowohl Zugänge zu den KMU, die die RFID-Technologie einsetzen, als auch zu den RFID-Anbietern selbst. Die RFID SI AG ist ein Systemintegrator, der die Sachkenntnis der Unternehmensprozesse der Food-Industrie mit dem innovativen Know-how der RFID Technologie verbindet und dadurch über eine hohe Fachkompetenz verfügt und diese im Rahmen des gemeinsamen Projekts einbringt.



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